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Schmids Arbeitsplatz liegt in dem kantigen Kasten aus Glas und Stahl auf der anderen Seite der Königinstraße, unweit des Englischen Gartens in München. Von außen sehen die Büros dort aus wie gestapelte Container. Schmid ist einer der Männer, die die Firma davor bewahren sollen, es mit dem Risiko zu übertreiben: Der 49-Jährige ist Risk-Manager, seine Auf gabe ist es, in die Zukunft zu schauen.

Im Folgejahr belief sich die Schadenssumme wieder nur auf 139 Millionen Euro. Ein solcher Rückgang sei aber kein Grund zur Entwarnung, findet Schmid: „Wir spüren deutlich den Trend, dass die durch Naturkatastrophen verursachten Schäden zunehmen. Es gibt klare Fakten.“ Ein Wintersturm wie der Orkan „Xynthia“ kann die Bilanz verhageln und die Versicherungsbranche mit Milliardenbeträgen belasten.

Keine dieser möglichen Auswirkungen und Konsequenzen unberücksichtigt zu lassen, zu erkennen, wie die Dinge miteinander in Verbindung stehen, und am Ende einer solchen Analyse zu einem Ergebnis zu kommen, das mit Fakten und Zahlen untermauert ist – das ist die Herausforderung. Denn ganz zum Schluss muss an jedem Risiko ein Preisschild hängen. Der Betrag, den eine Versicherung im Fall eines Stromausfalls dem versicherten Staat zahlen muss.

Deshalb lautet die Maxime der Munich Re: Aus Risiken Werte schaffen. Das funktioniert aber nur, wenn die möglichen Schäden genau kalkuliert sind. Das Geschäftsprinzip eines Rückversicherers besteht darin, Versicherungskonzernen ihr Risiko abzukaufen. Konkret: Der Besitzer einer Industrieanlage, die an einem Fluss liegt, versichert sich gegen Hochwasser. Das Versicherungsunternehmen versichert sich wiederum bei der Munich Re dagegen, dass es bei Schadenseintritt nicht so viel Geld ausbezahlen muss, dass es selbst daran zerbricht.

Über diese Auflistung potenzieller Risiken hat Schmid den Dreiklang „Erkennen – Verstehen – Handeln“ geschrieben. Hier versuchen der Betriebswirtschaftler und seine Kollegen Zusammenhänge zu erkennen, wo andere nur ein Gewirr an Begriffen und Linien sehen. „Die Frage, auf die wir hier eine Antwort suchen, heißt: Haben wir ein Thema wirklich ausreichend verstanden, sodass wir zu einer Einschätzung kommen können?“

Dazu gehört auch zu erkennen, welchen Einfluss die Wahrnehmung eines Risikos darauf hat, wie eine Gesellschaft damit umgeht. Beispiel Klimawandel: Noch vor ein paar Jahren war in der Wissenschaft umstritten, ob es einen von Menschen verursachten Effekt aufs Klima überhaupt gibt. Die Diskussion unter Forschern hatte Einfluss auf die Berichterstattung in den Medien, was wiederum Auswirkungen darauf hatte, wie die Politik mit dem Klimawandel umging.

Die Informationen, die die Spezialisten für ihn zusammentragen, muss Schmid wie ein Komponist zu einem dissonanzfreien Stück zusammensetzen. Dabei ist er sich im Klaren, dass seiner Arbeit Grenzen gesetzt sind. In einer immer komplexer werdenden Welt, in der sich Kommunikationsnetze über den gesamten Globus spannen und Finanz ströme kaum noch zu überblicken sind, wird es zunehmend schwieriger, den Verlauf eines bestimmten Ereignisses exakt vorherzusagen.

Die Munich Re hat den Versicherungskonzernen in den vergangenen Jahrzehnten so großen Appetit gemacht, dass sie zum größten Rückversicherer der Welt aufgestiegen ist. Im vergangenen Jahr machte sie nach vorläufigen Berechnungen einen Gewinn von knapp 2,6 Milliarden Euro, eine Milliarde mehr als im Vorjahr. Das lag allerdings weniger daran, dass Schmid und seine Mitarbeiter ein außer gewöhnlich sicheres Händchen gehabt hätten mit ihren Risikoprognosen.

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