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Tipps vom Phantomschreiber

Ich habe über 80 wissenschaftliche Arbeiten für andere geschrieben – ahnen Sie meinen Beruf bereits? Ich bin Ghostwriter, d. h. Leute lassen sich von mir ihre Semester- oder Abschlussarbeiten schreiben. Natürlich denken viele Menschen bei dieser Berufsbezeichnung sofort, dass ich etwas Illegales mache. Das stimmt aber nicht. Sicherlich, es ist nicht rechtmäßig, wenn jemand eine Arbeit, zum Beispiel eine Doktorarbeit, unter seinem Namen einreicht, wenn er sie gar nicht geschrieben hat, das möchte ich nicht bestreiten. Aber deshalb sagen Ghostwriter auch allen Kunden: Wir geben euch hier nur ein Beispiel, wie eine solche Arbeit aussehen könnte.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass mein Beruf gesellschaftlich nicht angesehen ist, weil ihm, meiner Meinung nach ungerechtfertigterweise, der Geruch des Unmoralischen anhaftet. Viele nehmen meine Hilfe in Anspruch, würden das aber nie öffentlich zugeben. Klar, weil sie meine Arbeit oft unverändert als ihre ausgeben. Ich will ja auch gar nicht, dass meine Arbeit in der Öffentlichkeit Thema Nummer eins ist, aber ich will, dass meine Kunden mir mit Respekt begegnen.

Phantomschreiber haben grundsätzlich die Absicht, anderen dabei zu helfen, selbst die Antworten falsch sind. auf eine Idee zu kommen. Wir raten unseren Kunden, die Arbeit nicht unter ihrem Namen einzureichen. Eigentlich besteht unsere Aufgabe also darin, Leuten eine vorbildliche Arbeit zu liefern, an der sie sich dann orientieren können, um etwas Eigenes zu erstellen. Das wird dann oft sogar noch besser als die Arbeit des Phantomschreibers. Allerdings, das muss ich leider zugeben, befürchte ich, dass sich ein Großteil der Kunden nicht an unseren Ratschlag hält.

Oft werde ich gefragt, wie ich überhaupt auf so einen ausgefallenen Beruf gekommen bin. Nun, ich bin durch mein Studium auf diese Idee gekommen. Ich habe Psychologie studiert und meine Kommilitonen darin unterstützt, ihre Semesterarbeiten zu schreiben. Aber als ich gemerkt habe, dass ich gut im Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten bin, habe ich angefangen, mich auch mit anderen Themen zu beschäftigen – zunächst außerhalb der Arbeitszeit, dann auch hauptberuflich. Ich habe sehr viele Literaturarbeiten erstellt und mich auch mit medizinischen Themen auseinandergesetzt; inhaltlich gibt es eigentlich keine Grenzen, außer der einen: Ich schreibe nur über Themen, die mich interessieren. Das ist einer der vielen Vorteile an diesem Job und ich bin heilfroh, dass ich mir diesen Luxus herausnehmen kann.

Ich finde es erschreckend, wenn ich sehe, dass manche Studenten nicht einmal dazu in der Lage sind, eine 20-seitige Hausarbeit zu verfassen. Das kann doch wirklich jeder, der es an eine Hochschule geschafft hat. Den jungen Leuten mangelt es doch nicht an Zielstrebigkeit und einer gesunden Neugier auf die Welt um sie herum, sondern an der Fertigkeit, strukturiert zu arbeiten, und der Geduld, sich etwas länger mit einem Thema zu beschäftigen. Und dies kann sich nun wirklich jeder aneignen. Ich selbst bin der lebende Beweis dafür, dass systematisches Arbeiten lernbar ist. Meine erste eigene wissenschaftliche Arbeit kann man schlichtweg als Katastrophe bezeichnen: eine wirre Anhäufung von Ideen ohne roten Faden, mal ganz abgesehen von der desolaten formalen Gestaltung. Aber nachdem ich die Arbeit dann zurückbekommen hatte mit dem Hinweis, der Professor werde in solch eine Arbeit nicht einmal einen Blick werfen, hat mich der Eifer gepackt. Ich habe mich hingesetzt und mich ernsthaft mit dem Thema des wissenschaftlichen Schreibens auseinandergesetzt. Und seitdem arbeite ich sehr systematisch.

Wenn ich ein Thema bekomme, beginne ich mit der Grundlagenforschung. Ich verschaffe mir einen Überblick, schaue mir an, was es bereits alles dazu gibt. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist da ein erster Schritt, auch wenn es natürlich immer heißt, man solle sie bloß nicht nutzen. Aber selbstverständlich zitiere ich Wikipedia nicht, sondern verwende sie als Datenquelle, denn da findet man schon mal das eine oder andere Standardwerk, das man sich dann schnell besorgen und überfliegen sollte. Vielleicht gibt es das ja sogar als Scan im Netz. Gut ist auch, bei der Suchmaschine Google nach dem Thema in Kombination mit »file: pdf« zu suchen. So findet man meist ein paar Aufsätze, idealerweise sind ein, zwei Übersichtstexte darunter. Bei der Lektüre merkt man dann: Bestimmte Begriffe tauchen immer wieder auf. Dann googelt man noch einmal das Thema in Kombination mit diesen Begriffen. Manchmal habe ich natürlich auch Bücher ausgeliehen oder bekam welche von den Kunden geschickt.

Wenn ich einen Überblick habe, dann überlege ich mir eine ganz präzise Fragestellung. Am besten eine, von der ich weiß, dass es auch genug Material dazu gibt. Und ich überlege mir, welche Haltung ich zu der Frage einnehmen möchte. Man muss sich knallhart für einen Aspekt, einen Blickwinkel entscheiden und den durchziehen. Daran scheitern sehr viele! Professoren hassen schwammige Arbeiten, die aus verschiedenen Fragmenten einen Wust an Argumenten zu unklaren Fragestellungen anhäufen. Es ist besser, sich das Ziel und das Ergebnis der Arbeit am Anfang wirklich klarzumachen und dann so schnell wie möglich die Struktur zu bauen. Je genauer die Struktur ist, desto besser und schneller kann man die Texte danach durchscannen, was man braucht. Wir denken natürlich immer, je mehr wir lesen, desto mehr wissen wir und desto besser wird auch die Arbeit. Aber das ist ein Trugschluss und der war den chaotischen Arbeiten anzumerken, die oft bei mir gelandet sind. Die Leute hatten irre viel gelesen und dabei vielfältigste Quellen verwendet und wollten das in der Arbeit alles unterbringen. Darauf kommt es aber nicht an. Man sollte sich beim Schreiben immer zu hundert Prozent bewusst sein: Was genau soll rein, und wie viel Platz habe ich dafür. Ein Vorgehen, das sich für mich als sehr effizient entpuppt hat.

Ein guter Trick, um die Literaturliste zu erweitern, ohne sich dabei durch Berge von Literatur quälen zu müssen, ist auch das Verweisen auf Standardwerke: Wenn ich den Text geschrieben habe, habe ich immer noch einmal Referenzen darübergezogen wie eine zweite Schicht. Je mehr, desto besser. Wenn man etwas sehr genau wiedergibt oder sogar einen Textteil übernimmt, muss man das in der Fußnote selbstverständlich seitengenau angeben. Aber wenn man zum Beispiel gerade über das Kaiserreich schreibt, kann man natürlich im Internet schauen, welche Standardwerke es über diese Epoche gibt. Wenn diese Werke auch in einem anderen Text zitiert werden, kann man das Buch als Referenz nehmen, ohne es selbst gelesen zu haben. Man sagt ja an der Stelle nur: Wenn ihr was über die Literaturszene in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wissen wollt, dann vergleicht hier und da, das sind die Standardwerke. Ein weiterer hilfreicher Hinweis: Man kann die Einleitung erst schreiben, wenn man weiß, wo man mit der Arbeit hin will. Die Einleitung sollte den Leser in die Arbeit, in die Fragestellung regelrecht reinziehen. Das muss kitzeln, wie bei einem guten Roman. Viele denken, eine wissenschaftliche Arbeit muss möglichst viele Fachtermini enthalten und darf keine narrativen Elemente aufweisen. Ich denke aber, man sollte versuchen, in der Arbeit eine Geschichte zu erzählen und vor allem den Leser immer an der Hand zu halten.

Mir gefällt mein Job, da habe ich die ethische Frage ziemlich verdrängt, wenn ich ehrlich bin. Klar verhelfe ich Leuten, die es sich leisten können, zu einem Vorteil und das ist nicht gerecht. Aber wenn jemand ein Kind bekommen hat und die letzte Arbeit einfach nicht mehr schafft oder wenn jemand hoffnungslos im Chaos seiner Arbeit versinkt und völlig verzweifelt ist, dann ist meine Arbeit auch wirklich eine Hilfe in der Not. Damit konnte ich mich immer ganz gut beruhigen. Aber in letzter Zeit nehmen die Gewissensbisse überhand und ich habe das Gefühl, dass ich etwas Neues machen muss. Daher werde ich den Beruf wechseln oder vielleicht eine Arbeit schreiben, die mich selbst im wissenschaftlichen Bereich weiterbringt. Ich denke da an eine Promotion.

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