梦想德语

专业德语培训机构

Category: 阅读

C2-6

德福句式结构训练C2-6

Fledermäuse hören, wo der Nektar fließt

Wie mag sich dieses saftige Grün wohl anhören? Dem menschlichen Ohr bleibt die Akustik von Marcgravia evenia verborgen. Das Ultraschallkonzert der tropischen Kletterpflanze richtet sich ausschließlich an ein tierisches Publikum. Fledermäuse sind ganz angetan davon. Inmitten der grünen Vielfalt des Urwalds verleitet die Pflanze die Fledertiere auf der Suche nach Nektar dazu, sie geradewegs anzusteuern.

„Diese Pflanzen haben eine andere Klangfarbe als die umgebende Vegetation und dadurch werden sie auffällig“, erzählt Ralph Simon. Der Biologe an der Universität Ulm hat zusammen mit britischen Forschern im kubanischen Regenwald die akustischen Leistungen von Marcgravia evenia aufgespürt. Seine Forschungsergebnisse belegen, wie sich die Tropenpflanze an die Bedürfnisse ihrer tierischen Bestäuber angepasst hat. Im Magazin Science werden die Beobachtungen nun beschrieben.

Dass Pflanzen mittels prächtiger Blüten oder betörender Düfte ihre tierischen Helfer anlocken, ist bekannt. Bienen und Vögel verteilen die Pollen vieler Gewächse und naschen im Gegenzug an deren Nektar. Ähnlich machen es auch Fledertiere in den Tropen, ob in Afrika, Australien oder Asien. Gleich mehrere Arten bestäuben dort Pflanzen und ernähren sich vom Saft der Blüten. „In Mittel- und Südamerika gibt es etwa 40 Arten von hoch spezialisierten Blumenfledermäusen aus der Familie der Glossophagien und einige hundert Pflanzenarten, die sich an diese Arten angepasst haben“, sagt Simon.

Der Wissenschaftler und seine Kollegen aus Deutschland und Großbritannien beschäftigen sich mit den unglaublichen Sinnesfähigkeiten von Fledermäusen. Diese Tiere, die sich über Ultraschall nicht nur verständigen, sondern auch orientieren können, leben in einer Welt, die für den Menschen geräuschlos ist. Ihre Rufe lösen auf allen Oberflächen ein Echo aus Schallwellen aus. An deren Muster erkennen die Tiere ihre Umgebung.

Beobachtungen haben gezeigt, dass die Tiere mit ihrem überragenden Gehör selbst Formen wie Kegel und Paraboloiden voneinander unterscheiden können. In Versuchen fanden Simon und sein Team heraus, dass Blumenfledermäuse am besten halbkugelförmige Objekte erkennen. „Deshalb staunten wir nicht schlecht, als wir in Kuba eine Pflanze fanden, die diese kugelig geformten, konkaven Blätter präsentierte“, sagt Simon. Selbst nachts fanden zahlreiche Fledermäuse ihren Weg zu Marcgravia evenia. Die Forscher vermaßen daraufhin die Echoeigenschaften der Hochblätter, die direkt über den nektarreichen Blüten der Pflanze hängen. „Sie sind wirklich einzigartig“, sagt Simon.

In den tropischen Gefilden Kubas konnten die Forscher ihre Vermutungen über die Echo-Lockmethode jedoch nicht überprüfen. Marcgravia evenia blüht in mehreren Metern Höhe im Kronendach des Regenwaldes, ein Umstand, der wissenschaftliche Experimente unter Echtbedingungen ziemlich erschwert. Also trainierten die Forscher Fledermäuse in einem künstlichen Laubwald im Labor. Dort sollten sie jeweils einen Futterspender suchen, der entweder für sich alleine angebracht war, oder mit der Nachbildung eines halbrunden oder eines herkömmlichen künstlichen Blatts versehen war. Am längsten brauchten die Fledermäuse, um den allein stehenden Nektarspender zu finden, unwesentlich kürzer dauerte es, wenn dieser ein einfaches Blatt angeheftet bekam. Erstaunlich: „Die Suchzeit verkürzt sich um etwa 50 Prozent, wenn die Kunstblüte ein schüsselförmiges Blatt präsentiert“, sagt der Biologe Simon.

Marcgravia evenia ist also evolutionsbiologisch betrachtet ein cleveres Gewächs. „Von der ausgefeilten Echo-Ortung profitieren beide, Pflanze und Fledermaus“, erläutert der Mitautor der Studie, Marc Holderied von der School of Biological Sciences in Bristol. „Einerseits erhöht es den Erfolg der Nahrungssuche für Nektar fressende Fledermäuse“, sagt Holderied. Blumenfledermäuse statten in den Tropen jede Nacht Hunderten von Gewächsen einen Besuch ab, um ihren Energiebedarf zu decken. „Andererseits ist Marcgravia evenia ein seltenes Gewächs und daher auf sehr mobile Bestäuber angewiesen.“

Die Pflanze nimmt für ihren Akustik-Trick sogar Nachteile in Kauf. Die ungewöhnliche Form und Ausrichtung ihrer Hochblätter schränke die Photosynthese ein, schreiben die Autoren der Studie. „Doch dieser Aufwand gleicht sich aus, zum Vorteil einer effizienteren Anziehung von Bestäubern“, argumentieren Simon und seine Kollegen. Die Biologen sind überzeugt, dass weitere Pflanzen auf ähnliche Lockmanöver setzen. Der Mensch kann diesen Hörkunststücken nur mit speziellem Gerät folgen.

Ohne die Sinnesleistungen der Fledermäuse wäre die Kletterpflanze wohl aufgeschmissen. Wie präzise die Ultraschallortung der Tiere ist, zeigt eine weitere Arbeit, die ebenfalls in Science erschienen ist. Darin beschreibt eine Gruppe von der Brown University im amerikanischen Providence, wie Breitflügelfledermäuse Insekten jagen. Die weit verbreitet auch in Europa vorkommende Fledertierart geht ebenfalls per Ultraschall auf Beutefang. Dazu manipulieren die Tiere etwa Frequenz und Intensität ihrer Rufe. Die Flieger nutzen Ober- und Unterwellen im Schallspektrum, um Störgeräusche zu filtern. Dadurch können sie fast problemlos Insekten allein per Echo aufspüren, selbst wenn diese durch flatterndes Laub düsen.

PDF下载 6


本资源完全用于教学目的,不涉及盈利,版权归原作者所有如有侵权请立即与我联系,我将及时处理。


 

C2-5

德福句式结构训练C2-5

Tipps vom Phantomschreiber

Ich habe über 80 wissenschaftliche Arbeiten für andere geschrieben – ahnen Sie meinen Beruf bereits? Ich bin Ghostwriter, d. h. Leute lassen sich von mir ihre Semester- oder Abschlussarbeiten schreiben. Natürlich denken viele Menschen bei dieser Berufsbezeichnung sofort, dass ich etwas Illegales mache. Das stimmt aber nicht. Sicherlich, es ist nicht rechtmäßig, wenn jemand eine Arbeit, zum Beispiel eine Doktorarbeit, unter seinem Namen einreicht, wenn er sie gar nicht geschrieben hat, das möchte ich nicht bestreiten. Aber deshalb sagen Ghostwriter auch allen Kunden: Wir geben euch hier nur ein Beispiel, wie eine solche Arbeit aussehen könnte.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass mein Beruf gesellschaftlich nicht angesehen ist, weil ihm, meiner Meinung nach ungerechtfertigterweise, der Geruch des Unmoralischen anhaftet. Viele nehmen meine Hilfe in Anspruch, würden das aber nie öffentlich zugeben. Klar, weil sie meine Arbeit oft unverändert als ihre ausgeben. Ich will ja auch gar nicht, dass meine Arbeit in der Öffentlichkeit Thema Nummer eins ist, aber ich will, dass meine Kunden mir mit Respekt begegnen.

Phantomschreiber haben grundsätzlich die Absicht, anderen dabei zu helfen, selbst die Antworten falsch sind. auf eine Idee zu kommen. Wir raten unseren Kunden, die Arbeit nicht unter ihrem Namen einzureichen. Eigentlich besteht unsere Aufgabe also darin, Leuten eine vorbildliche Arbeit zu liefern, an der sie sich dann orientieren können, um etwas Eigenes zu erstellen. Das wird dann oft sogar noch besser als die Arbeit des Phantomschreibers. Allerdings, das muss ich leider zugeben, befürchte ich, dass sich ein Großteil der Kunden nicht an unseren Ratschlag hält.

Oft werde ich gefragt, wie ich überhaupt auf so einen ausgefallenen Beruf gekommen bin. Nun, ich bin durch mein Studium auf diese Idee gekommen. Ich habe Psychologie studiert und meine Kommilitonen darin unterstützt, ihre Semesterarbeiten zu schreiben. Aber als ich gemerkt habe, dass ich gut im Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten bin, habe ich angefangen, mich auch mit anderen Themen zu beschäftigen – zunächst außerhalb der Arbeitszeit, dann auch hauptberuflich. Ich habe sehr viele Literaturarbeiten erstellt und mich auch mit medizinischen Themen auseinandergesetzt; inhaltlich gibt es eigentlich keine Grenzen, außer der einen: Ich schreibe nur über Themen, die mich interessieren. Das ist einer der vielen Vorteile an diesem Job und ich bin heilfroh, dass ich mir diesen Luxus herausnehmen kann.

Ich finde es erschreckend, wenn ich sehe, dass manche Studenten nicht einmal dazu in der Lage sind, eine 20-seitige Hausarbeit zu verfassen. Das kann doch wirklich jeder, der es an eine Hochschule geschafft hat. Den jungen Leuten mangelt es doch nicht an Zielstrebigkeit und einer gesunden Neugier auf die Welt um sie herum, sondern an der Fertigkeit, strukturiert zu arbeiten, und der Geduld, sich etwas länger mit einem Thema zu beschäftigen. Und dies kann sich nun wirklich jeder aneignen. Ich selbst bin der lebende Beweis dafür, dass systematisches Arbeiten lernbar ist. Meine erste eigene wissenschaftliche Arbeit kann man schlichtweg als Katastrophe bezeichnen: eine wirre Anhäufung von Ideen ohne roten Faden, mal ganz abgesehen von der desolaten formalen Gestaltung. Aber nachdem ich die Arbeit dann zurückbekommen hatte mit dem Hinweis, der Professor werde in solch eine Arbeit nicht einmal einen Blick werfen, hat mich der Eifer gepackt. Ich habe mich hingesetzt und mich ernsthaft mit dem Thema des wissenschaftlichen Schreibens auseinandergesetzt. Und seitdem arbeite ich sehr systematisch.

Wenn ich ein Thema bekomme, beginne ich mit der Grundlagenforschung. Ich verschaffe mir einen Überblick, schaue mir an, was es bereits alles dazu gibt. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist da ein erster Schritt, auch wenn es natürlich immer heißt, man solle sie bloß nicht nutzen. Aber selbstverständlich zitiere ich Wikipedia nicht, sondern verwende sie als Datenquelle, denn da findet man schon mal das eine oder andere Standardwerk, das man sich dann schnell besorgen und überfliegen sollte. Vielleicht gibt es das ja sogar als Scan im Netz. Gut ist auch, bei der Suchmaschine Google nach dem Thema in Kombination mit »file: pdf« zu suchen. So findet man meist ein paar Aufsätze, idealerweise sind ein, zwei Übersichtstexte darunter. Bei der Lektüre merkt man dann: Bestimmte Begriffe tauchen immer wieder auf. Dann googelt man noch einmal das Thema in Kombination mit diesen Begriffen. Manchmal habe ich natürlich auch Bücher ausgeliehen oder bekam welche von den Kunden geschickt.

Wenn ich einen Überblick habe, dann überlege ich mir eine ganz präzise Fragestellung. Am besten eine, von der ich weiß, dass es auch genug Material dazu gibt. Und ich überlege mir, welche Haltung ich zu der Frage einnehmen möchte. Man muss sich knallhart für einen Aspekt, einen Blickwinkel entscheiden und den durchziehen. Daran scheitern sehr viele! Professoren hassen schwammige Arbeiten, die aus verschiedenen Fragmenten einen Wust an Argumenten zu unklaren Fragestellungen anhäufen. Es ist besser, sich das Ziel und das Ergebnis der Arbeit am Anfang wirklich klarzumachen und dann so schnell wie möglich die Struktur zu bauen. Je genauer die Struktur ist, desto besser und schneller kann man die Texte danach durchscannen, was man braucht. Wir denken natürlich immer, je mehr wir lesen, desto mehr wissen wir und desto besser wird auch die Arbeit. Aber das ist ein Trugschluss und der war den chaotischen Arbeiten anzumerken, die oft bei mir gelandet sind. Die Leute hatten irre viel gelesen und dabei vielfältigste Quellen verwendet und wollten das in der Arbeit alles unterbringen. Darauf kommt es aber nicht an. Man sollte sich beim Schreiben immer zu hundert Prozent bewusst sein: Was genau soll rein, und wie viel Platz habe ich dafür. Ein Vorgehen, das sich für mich als sehr effizient entpuppt hat.

Ein guter Trick, um die Literaturliste zu erweitern, ohne sich dabei durch Berge von Literatur quälen zu müssen, ist auch das Verweisen auf Standardwerke: Wenn ich den Text geschrieben habe, habe ich immer noch einmal Referenzen darübergezogen wie eine zweite Schicht. Je mehr, desto besser. Wenn man etwas sehr genau wiedergibt oder sogar einen Textteil übernimmt, muss man das in der Fußnote selbstverständlich seitengenau angeben. Aber wenn man zum Beispiel gerade über das Kaiserreich schreibt, kann man natürlich im Internet schauen, welche Standardwerke es über diese Epoche gibt. Wenn diese Werke auch in einem anderen Text zitiert werden, kann man das Buch als Referenz nehmen, ohne es selbst gelesen zu haben. Man sagt ja an der Stelle nur: Wenn ihr was über die Literaturszene in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wissen wollt, dann vergleicht hier und da, das sind die Standardwerke. Ein weiterer hilfreicher Hinweis: Man kann die Einleitung erst schreiben, wenn man weiß, wo man mit der Arbeit hin will. Die Einleitung sollte den Leser in die Arbeit, in die Fragestellung regelrecht reinziehen. Das muss kitzeln, wie bei einem guten Roman. Viele denken, eine wissenschaftliche Arbeit muss möglichst viele Fachtermini enthalten und darf keine narrativen Elemente aufweisen. Ich denke aber, man sollte versuchen, in der Arbeit eine Geschichte zu erzählen und vor allem den Leser immer an der Hand zu halten.

Mir gefällt mein Job, da habe ich die ethische Frage ziemlich verdrängt, wenn ich ehrlich bin. Klar verhelfe ich Leuten, die es sich leisten können, zu einem Vorteil und das ist nicht gerecht. Aber wenn jemand ein Kind bekommen hat und die letzte Arbeit einfach nicht mehr schafft oder wenn jemand hoffnungslos im Chaos seiner Arbeit versinkt und völlig verzweifelt ist, dann ist meine Arbeit auch wirklich eine Hilfe in der Not. Damit konnte ich mich immer ganz gut beruhigen. Aber in letzter Zeit nehmen die Gewissensbisse überhand und ich habe das Gefühl, dass ich etwas Neues machen muss. Daher werde ich den Beruf wechseln oder vielleicht eine Arbeit schreiben, die mich selbst im wissenschaftlichen Bereich weiterbringt. Ich denke da an eine Promotion.

PDF下载 5


本资源完全用于教学目的,不涉及盈利,版权归原作者所有如有侵权请立即与我联系,我将及时处理。


C2-4

德福句式结构训练C2-4

 

Schmids Arbeitsplatz liegt in dem kantigen Kasten aus Glas und Stahl auf der anderen Seite der Königinstraße, unweit des Englischen Gartens in München. Von außen sehen die Büros dort aus wie gestapelte Container. Schmid ist einer der Männer, die die Firma davor bewahren sollen, es mit dem Risiko zu übertreiben: Der 49-Jährige ist Risk-Manager, seine Auf gabe ist es, in die Zukunft zu schauen.

Im Folgejahr belief sich die Schadenssumme wieder nur auf 139 Millionen Euro. Ein solcher Rückgang sei aber kein Grund zur Entwarnung, findet Schmid: „Wir spüren deutlich den Trend, dass die durch Naturkatastrophen verursachten Schäden zunehmen. Es gibt klare Fakten.“ Ein Wintersturm wie der Orkan „Xynthia“ kann die Bilanz verhageln und die Versicherungsbranche mit Milliardenbeträgen belasten.

Keine dieser möglichen Auswirkungen und Konsequenzen unberücksichtigt zu lassen, zu erkennen, wie die Dinge miteinander in Verbindung stehen, und am Ende einer solchen Analyse zu einem Ergebnis zu kommen, das mit Fakten und Zahlen untermauert ist – das ist die Herausforderung. Denn ganz zum Schluss muss an jedem Risiko ein Preisschild hängen. Der Betrag, den eine Versicherung im Fall eines Stromausfalls dem versicherten Staat zahlen muss.

Deshalb lautet die Maxime der Munich Re: Aus Risiken Werte schaffen. Das funktioniert aber nur, wenn die möglichen Schäden genau kalkuliert sind. Das Geschäftsprinzip eines Rückversicherers besteht darin, Versicherungskonzernen ihr Risiko abzukaufen. Konkret: Der Besitzer einer Industrieanlage, die an einem Fluss liegt, versichert sich gegen Hochwasser. Das Versicherungsunternehmen versichert sich wiederum bei der Munich Re dagegen, dass es bei Schadenseintritt nicht so viel Geld ausbezahlen muss, dass es selbst daran zerbricht.

Über diese Auflistung potenzieller Risiken hat Schmid den Dreiklang „Erkennen – Verstehen – Handeln“ geschrieben. Hier versuchen der Betriebswirtschaftler und seine Kollegen Zusammenhänge zu erkennen, wo andere nur ein Gewirr an Begriffen und Linien sehen. „Die Frage, auf die wir hier eine Antwort suchen, heißt: Haben wir ein Thema wirklich ausreichend verstanden, sodass wir zu einer Einschätzung kommen können?“

Dazu gehört auch zu erkennen, welchen Einfluss die Wahrnehmung eines Risikos darauf hat, wie eine Gesellschaft damit umgeht. Beispiel Klimawandel: Noch vor ein paar Jahren war in der Wissenschaft umstritten, ob es einen von Menschen verursachten Effekt aufs Klima überhaupt gibt. Die Diskussion unter Forschern hatte Einfluss auf die Berichterstattung in den Medien, was wiederum Auswirkungen darauf hatte, wie die Politik mit dem Klimawandel umging.

Die Informationen, die die Spezialisten für ihn zusammentragen, muss Schmid wie ein Komponist zu einem dissonanzfreien Stück zusammensetzen. Dabei ist er sich im Klaren, dass seiner Arbeit Grenzen gesetzt sind. In einer immer komplexer werdenden Welt, in der sich Kommunikationsnetze über den gesamten Globus spannen und Finanz ströme kaum noch zu überblicken sind, wird es zunehmend schwieriger, den Verlauf eines bestimmten Ereignisses exakt vorherzusagen.

Die Munich Re hat den Versicherungskonzernen in den vergangenen Jahrzehnten so großen Appetit gemacht, dass sie zum größten Rückversicherer der Welt aufgestiegen ist. Im vergangenen Jahr machte sie nach vorläufigen Berechnungen einen Gewinn von knapp 2,6 Milliarden Euro, eine Milliarde mehr als im Vorjahr. Das lag allerdings weniger daran, dass Schmid und seine Mitarbeiter ein außer gewöhnlich sicheres Händchen gehabt hätten mit ihren Risikoprognosen.

PDF下载 4


本资源完全用于教学目的,不涉及盈利,版权归原作者所有如有侵权请立即与我联系,我将及时处理。


 

C2-3

德福句式结构训练C2-3

Wer soll das bezahlen?

Wenn Rudolf Schmid aus dem Fenster seines Zukunftslabors sieht, blickt er auf die Vergangenheit. Auf der Straßenseite gegenüber steht der Stammsitz seines Arbeitgebers. Ein knapp hundert Jahre alter Bau, der einer Villa eher gleicht als einem Versicherungsgebäude. Seit 1913 betreibt die Munich Re, wie das Unternehmen heute heißt, das Geschäft mit dem Risiko: Sie gibt Versicherungen an Konzerne aus, die ihrerseits Gebäude gegen Zerstörung versichern oder Fabriken gegen Stromausfall, damit sich die Kosten eines Schadensfalls, wenn er tatsächlich eintritt, auf mehrere Schultern verteilen.

Schmids Arbeitsplatz liegt in dem kantigen Kasten aus Glas und Stahl auf der anderen Seite der Königinstraße, unweit des Englischen Gartens in München. Von außen sehen die Büros dort aus wie gestapelte Container. Schmid ist einer der Männer, die die Firma davor bewahren sollen, es mit dem Risiko zu übertreiben: Der 49-Jährige ist Risk-Manager, seine Auf gabe ist es, in die Zukunft zu schauen.

Die Abteilung, in der Schmid seit sieben Jahren arbeitet, ist so alt wie das Unternehmen selbst. Seit seiner Gründung war eine der wesentlichen Grundlagen des geschäftlichen Erfolgs, den Gang der Dinge vorhersagen zu können. Die Angaben darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit bestimmte Schäden entstehen können, bestimmen darüber, was die Munich Re überhaupt versichert und wie hoch die Prämien sind.

Um die Kosten einer solchen Rückversicherung festzulegen, gehen etliche Daten in die Berechnung ein: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Fluss an dieser Stelle über die Ufer tritt? Wie oft ist das schon geschehen? Wie viel Risiko will der Erstversicherer tragen? Die Munich Re definiert daraus einen sogenannten Risikoappetit, das heißt, sie macht dem Erst – versicherer ein konkretes Angebot. Geht der darauf ein, kommen beide ins Geschäft.

Der Grund war vielmehr: Die Naturkatastrophen verliefen vergleichsweise glimpflich, auch wenn mehr Katastrophen registriert wurden als im langjährigen Durchschnitt – aber es gab weniger große. Vor einigen Jahren sah das ganz anders aus: Nachdem der Hurrikan „Katrina“ New Orleans zerstört hatte, summierten sich die weltweit entstandenen Schäden auf 2,6 Milliarden Euro. „Katrina“ hatte die gesamte Versicherungsbranche in eine Art Klimaschock versetzt.

Diese und andere, auch von Menschen gemachte, Katastrophen versucht Schmid zu berechnen, um weiterhin Gewinne für Munich Re zu produzieren. An einer Wand seines Büros hängt ein sogenanntes Risiko-Universum, aufgeteilt nach den Themenfeldern Natur, Gesellschaft, Infrastruktur, Wirtschaft und Technik, und auf der gegenüberliegenden Seite eine Liste mit 80 hypothetischen Ereignissen: vom Zusammenbruch des Dollars bis zum Bankrott eines Staates.

Was passiert zum Beispiel, wenn in einem Land wie Deutschland länger als 48 Stunden der Strom ausfiele? Welche Auswirkungen hätte das auf die Computernetze, auf den Kapitalmarkt, auf die Infrastruktur? Hätten die Tankstellen überhaupt genug Stromaggregate, um das Benzin aus den Tanks in die Autos zu pumpen? Und was wären die Konsequenzen, wenn der Verkehr zusammenbräche?

Schmid lebt in einer Was-wäre-wenn-Welt und er ist darin nicht allein. Ihm steht ein Heer an Experten zur Verfügung, neben Physikern und Klimaforschern auch Mediziner, Sozialwissenschaftler und Soziologen. Gemeinsam spielen sie auf allen Feldern Szenarien durch, die für das Geschäft der Munich Re von Belang sind. Zugleich berät er sich mit dem Bundeskriminalamt oder der Bundeswehr und mithilfe einer eigenen Suchmaschine wird das Internet nach Daten durchsucht.

Schon im Jahr 2007 machten sich Experten beispielsweise Gedanken darüber, was passieren würde, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession schlittert. Dann kam die Finanzkrise, und ihr Ausmaß übertraf alle Erwartungen. Kann man aus der Krise Lehren ziehen? Schmid bezweifelt das. Es wird Risiken geben, die nicht mehr kalkulierbar sind. Das Geschäft hat sich gegenüber dem vergangenen Jahrhundert verändert, als es noch ausreichte, die Schäden der Vergangenheit anzusehen und auf deren Basis die Risiken der Zukunft zu kalkulieren.

PDF下载 3


本资源完全用于教学目的,不涉及盈利,版权归原作者所有如有侵权请立即与我联系,我将及时处理。


 

C2-2

德福句式结构训练C2-2

 

Biologischer Zündstoff

Die moderne Zivilisation auf einen nachhaltigen Weg zu bringen, gleicht mehr und mehr dem Versuch, einen Deich zu halten, gegen den die Flut drückt. Hat man gerade noch mit bloßen Händen den einen Riss gestopft, tun sich daneben schon die nächsten auf. Der jüngste Fall: Pflanzen als Energiequelle der Zukunft. Vor zwei Jahren noch gepriesen, vergeht nun kaum ein Monat, in dem nicht Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vor dramatischen Konsequenzen für Klima, Umwelt und Ernährungssicherheit warnen.

Die Idee klang bestechend: Anstatt fossile Energieträger wie Kohle und Erdöl zu verbrennen und damit zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre zu blasen, könnte man Energie und Kraftstoffe aus Pflanzen gewinnen. Die Lösung wäre klimaneutral, weil dabei nur das CO2 freigesetzt wird, das die Pflanzen für ihr Wachstum zuvor der Atmosphäre entnommen haben. Anders als das endliche Erdöl wachsen Pflanzen nach. Und aus Bauern könnten „Energiewirte“ werden, die eine neue Einkommensquelle erschließen. Eine Win-win-Situation – für Umwelt, Verkehr, Wirtschaft und Arbeit.

Der erste Imageschaden kam mit der sogenannten „Tortilla-Krise“. Weil die USA für ihre ehrgeizigen Bioethanol-Pläne mehr Mais benötigten, als sie selbst produzieren konnten, wurde in Mexiko dazugekauft – woraufhin dort die Preise anzogen und Tortillas aus Maismehl, die Grundlage der mexikanischen Küche, in kurzer Zeit immer teurer wurden. Aus Biokraftstoffen wurden „Agro- Kraftstoffe“, landwirtschaftliche Erzeugnisse, die eigentlich auf den Teller gehören, aber im Tank landen.

Dazu kamen Berichte, in Malaysia oder Brasilien – das schon seit Jahrzehnten im großen Stil Bioethanol aus Zuckerrohr herstellt – weiche der ohnehin schon bedrohte Regenwald neuen Monokulturen aus Energiepflanzen. Einmalige Lebensräume der Erde, die eine schier unvorstellbare Vielfalt von Arten beherbergten, würden im Namen von Ökologie und Klimaschutz vernichtet. „Biokraftstoffe sind ein Angriff auf die Biodiversität“, wetterte die Umweltkoryphäe Ernst Ulrich von Weizsäcker.

Für einen weiteren Kratzer im Lack sorgte jetzt die Wissenschaft. Der niederländische Chemie-Nobel -preisträger Paul Crutzen hatte mit Kollegen die Emissionen von Lachgas (N2O) untersucht, die durch den Einsatz von Kunstdünger auf Biospritfeldern entstehen. Lachgas ist fast 300-mal treibhauswirksamer als CO2. Ergebnis: Die Treibhauswirksamkeit von Biodiesel aus Raps sei 70 Prozent größer als die von fossilem Diesel, bei Mais seien es 50 Prozent. Nur Zuckerrohr schneide besser ab. Die Studie ist zwar umstritten; Kritiker werfen Crutzen vor, von veralteten Düngemethoden und Rapssorten ausgegangen zu sein. Doch nun befand auch eine OECD-Studie, die USA, Kanada und die EU könnten ihre verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2015 mittels Biosprit nur um 0,8 Prozent senken.

Einen Ausweg könnte das Verfahren „Biomass to Liquid“ (BTL) bieten. Bei diesem Verfahren gelingt es, Biomasse in Gas zu verwandeln und dessen Moleküle dann in die des gewünschten Kraftstoffs. So entsteht etwa synthetischer Diesel, der dieselben Eigenschaften wie Diesel aus Erdöl hat. Weil anders als bei Biodiesel oder Pflanzenöl keine Nahrungspflanzen benötigt werden, spricht man von „Biokraftstoffen der zweiten Generation“. BTL verwertet vor allem Holz, Stroh und andere Biomasse. Das verwendete Holz kommt zum Teil als sogenanntes Restholz aus dem Wald oder wird von schnell wachsenden Bäumen wie beispielsweise Pappeln gewonnen. Bei diesem BTL-Kraftstoff fallen laut einer Schweizer Studie 40 bis 60 Prozent weniger Treibhausgase an als bei fossilem Diesel; wird Waldrestholz verwendet, ist die Bilanz noch günstiger.

Gerade für die Luftfahrt wäre der BTL-Kraftstoff eine Alternative, da herkömmliche Biokraftstoffe in Flughöhen mit Temperaturen um minus 50 Grad zähflüssig werden. Das BTL-Verfahren ermöglichte aber synthetisches Kerosin mit den gleichen Eigenschaften wie das bisherige herzustellen. Um damit den weltweiten Flugverkehr im heutigen Umfang aufrechtzuerhalten, wäre allerdings eine Fläche für den Holzanbau von 120 Millionen Hektar nötig, dreimal größer als Deutschland. Deshalb setzen Flugzeughersteller wie Boeing auf Kerosin aus Algen, die neuerdings als Klimaretter und unerschöpfliche Energiequelle gepriesen werden.

Eine Patentlösung für Bioenergie aus Pflanzen gibt es nicht. Was in Europa ökologisch machbar ist, kann sich anderswo als fatal erweisen. Wenn etwa in Afrika Energiepflanzen für den Export in großen Monokulturen angebaut werden sollen, verknappt dies weiter das Trinkwasser auf einem ohnehin trockenen Kontinent. Sogar eine genügsame und nicht essbare Pflanze wie die Jatropha, die seit Kurzem als Energiepflanze für südliche Breiten Schlagzeilen macht, wird zum Problem, wenn internationale Konzerne sie plötzlich im großen Stil auf fruchtbarem Ackerland anbauen wollen. Richtig genutzt könnte Jatropha aber als regionaler Energielieferant die Abhängigkeit von Ölimporten lindern. Außerdem verbessert sie in ausgelaugten Böden nach einigen Jahren den Wasserhaushalt.

 

PDF下载 2


本资源完全用于教学目的,不涉及盈利,版权归原作者所有如有侵权请立即与我联系,我将及时处理。


 

C2-1

德福句式结构训练C2-1

ich bin Lehrerin. Ich unterrichte die klassische Fächerkombination Deutsch und Geschichte an einem norddeutschen Gymnasium.

Wenn ich den ersten Satz lese, kommt er mir vor wie ein Geständnis. Und irgendwie ist er es auch und eben nicht nur die kurze und knappe Information über meinen Beruf. Wenn ich nämlich von Leuten, die ich gerade kennengelernt habe – im Urlaub, auf einer Party, in einem Kurs –, nach meinem Job gefragt werde, kommt mir dieser Satz „Ich bin Lehrerin“ stets wie ein Bekenntnis vor, wie ein Bekenntnis zu etwas Negativem, ungefähr ähnlich dem Bekenntnis zu einem Laster wie dem Rauchen oder Schlimmerem.

Wieso eigentlich? Ich mag meinen Beruf. Nicht wegen des Beamtenstatus, der mich nicht den Unwägbarkeiten des Arbeitsmarktes aussetzt. Der ist zwar angenehm, das gebe ich zu, aber nicht entscheidend. Und die viele Freizeit – die ist sowieso nur eine Illusion. Nein, als ich damals „auf Lehramt“ studierte, steckte ich voller Ideale. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Vermittlung von Wissen und Werten – ich konnte mir keinen besseren Beruf vorstellen.

Eigentlich müsste ich mich mit meinem Beruf nicht verstecken, könnte stolz auf ihn sein. Das bestätigte mir vor Kurzem eine Umfrage, die die Wochenzeitung „Die Zeit“ in Auftrag gegeben hatte. Danach bescheinigten 64 Prozent der Befragten den Lehrern, dass sie gute oder sogar sehr gute Arbeit leisteten. Also jubilieren und an die Brust klopfen? Schön wär’s, wenn ich’s könnte.

Doch da ist die andere Seite der Medaille. Ich glaube, kaum ein Berufsstand wurde in den vergangenen Jahren so stark angegriffen wie der der Lehrer. Erinnern Sie sich noch an den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die Lehrer samt und sonders als „faule Säcke“ beschimpfte? Und dann sind da die diversen Pisa-Studien, die immer wieder belegen, dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich gerade mal nur Mittelmaß sind. Wer trägt dafür die Verantwortung? Soziale Schieflagen, strukturelle Verkrustungen, überfrachtete Lehrpläne, Einsparmaßnahmen an allen Ecken und Enden? Ja, schon, aber letztendlich sind es dann doch wieder die Lehrer, die „Pauker“, die die Sache nicht in den Griff kriegen, sich zu wenig Mühe geben oder gar für ihren Beruf nicht geeignet sind.

Es erschreckt mich, wenn eine Mutter mit dem „Lehrerhasser-Buch“ einen Bestseller landet und Eltern auf der Internetseite „Schulradar“ mit den Schulen und Lehrern ihrer Kinder abrechnen. Warum beschweren sie sich nicht in den Sprechstunden, suchen das klärende Gespräch? Angst, dass Kritik die Schullaufbahn ihrer Kinder gefährden könnte? Leider muss ich zugeben, dass es diesen Machtmissbrauch einiger Kollegen gibt, aber muss man deshalb alle „Pauker“ in die Schmuddelecke stellen?

Dass das elterliche Duckmäusertum auf die Kinder abfärbt, ist logisch – und das Internet bietet ihnen beste Rahmenbedingungen, um ihren Frust abzulassen.

Harmlos ist noch die Internetplattform „Spickmich“, auf der Schüler uns Lehrer anonym bewerten. Anders sieht es dann aus, wenn das Netz missbraucht wird, um Lehrer zu diffamieren, lächerlich zu machen oder sie zu bedrohen. Es geht so weit, dass gefälschte Videos bei YouTube eingestellt werden, die Kollegen auf das Übelste beleidigen und in den Dreck ziehen.

Was können wir Lehrer tun, um die Dinge zum Besseren zu wenden? Natürlich könnten wir immer wieder auf die anderen zeigen, darüber klagen, was uns angetan wird und auf unsere kaum zu bewältigenden Aufgaben verweisen – die uns auch 82 Prozent der in der „Zeit“-Umfrage Befragten zugestehen – dass wir nämlich oft Erziehungsaufgaben der Eltern übernehmen müssen.

Wir könnten uns aber auch an die eigene Nase fassen und überlegen, wie wir gegen das oben genannte Duckmäusertum angehen können ebenso wie gegen die vielfältigen Arten des Dampfablassens in den anonymen Weiten des weltweiten Netzes.

Es ist schon komisch, dass wir Lehrer, die wir stets und ständig andere und ihre Arbeit bewerten und beurteilen, nicht in der Lage sind, souverän mit Kritik oder Urteilen über uns selber umzugehen. Kommt Kritik in Form von „Schulradar“ oder „Spickmich“ auf  uns zu, machen wir dicht, statt zu erkennen, wie sehr sich Schüler und Eltern in ihren Meinungsäußerungen gehemmt oder unterdrückt sehen. Das Fehlen einer Kultur der Rückmeldung verweist auf ein Verhaftetsein der Schulstrukturen in autoritären Mustern.

Ein wesentlicher Grund für diese Abschottung gegenüber Kritik, Anregungen, Lob und Tadel mag sein, dass es keine einheitlichen Standards für den Lehrerberuf gibt. Wer kann schon genau definieren, was man von uns erwarten darf und was nicht? Wenn man sich so umschaut, sind die Anforderungen enorm, sie unterscheiden sich, je nachdem, wer sie stellt, nur darin, was in den Vordergrund geschoben wird. Wir sollen also selbstverständlich Wissensvermittler, Erzieher und Lebensberater sein. Außerdem als Lernbegleiter den Schülern zur Seite stehen und ihr Selbstwertgefühl stärken. Nicht zu vergessen ist, dass wir den Übergang zur Ganztagsschule meistern, die Umstellung auf das Abitur nach 12 Jahren mit Einfallsreichtum und Erfolg erledigen und bei der nächsten Pisa-Studie ein paar Plätze vorrücken. Kein Lehrer wird all diesen Anforderungen perfekt genügen können und aus diesem Wissen heraus mauern die meisten, wenn es darum geht, in einen offenen Dialog mit Eltern und Schülern zu treten.

Wenn wir Lehrer untereinander ohne Scheu und falsche Scham die Karten auf den Tisch legen, müssen wir alle zugeben, dass unser Alltag von permanenter Angst begleitet wird. Einer Angst, die mal stärker, mal nur ganz im Hintergrund vorhanden ist – der Angst, vor der Klasse zu scheitern. Wir müssen zugeben, dass keine Unterrichtsstunde reine Routine ist, sondern das Gegenteil: immer wieder ein Kampf um Anerkennung, ein Ringen um Aufmerksamkeit und Disziplin.

Und was tun wir dagegen? Bereiten Fachlehrer gemeinsam Unterrichtseinheiten vor? Probieren wir alternative Methoden aus? Entwickeln wir gemeinsam Kommunikationsformen, die uns näher an die Wünsche und Vorstellungen unserer Schüler bringen? Leider nicht. In der Mehrzahl der Fälle bleibt jeder Kollege der traditionelle Einzelkämpfer und das, was sich hinter der Klassentür abspielt, bleibt geheim – es sei denn, Frust, Mitteilungsbedürfnis und Wut suchen sich den wenig schönen Ausweg übers Internet.

Es gibt inzwischen Schulen, an denen eine kontinuierliche Lehrerbewertung durch die Schüler eingeführt wurde. Damit sie funktioniert, muss dreierlei passieren: Erstens müssen die bewertenden Schüler anonym bleiben. Die Schüler müssen zweitens gelernt haben, wie man Kritik übt, dass also Beleidigungen wie „Schlampe“ oder Ähnliches nichts bringen. Und drittens erfährt allein die betroffene Lehrkraft die Ergebnisse, mit denen sie dann umgehen kann, wie sie will.

Bisher ist erst ein Viertel der bewerteten Lehrerinnen und Lehrer bereit, mit ihrer jeweiligen Klasse über die geäußerte Kritik zu sprechen. Manchen Schülern ist das zu wenig und sie fragen nach dem Sinn der ganzen Frageaktion. Ihnen möchte ich antworten: Habt Geduld, immerhin ist ein Anfang gemacht.

 

PDF下载 1


本资源完全用于教学目的,不涉及盈利,版权归原作者所有如有侵权请立即与我联系,我将及时处理。


 

© 2019 梦想德语

Theme by Anders NorenUp ↑